Endlich ging es hinaus aufs Wattenmeer. Das große Ziel der nächsten Tage: Kurs auf die Westfriesischen Inseln – und wenn möglich noch einmal trockenfallen. Doch bevor die Iselmar am Montagabend auf einer Sandbank festlag, sorgte ein technischer Defekt für eine unerwartete Herausforderung.
Schon beim Frühstück war die Vorfreude auf den nächsten Abschnitt des Segeltörns deutlich zu spüren. Nach zwei Tagen auf dem IJsselmeer sollte es nun endlich hinaus aufs Wattenmeer gehen. Ziel der kommenden Tage waren die Westfriesischen Inseln. Viele der Jugendlichen hofften außerdem darauf, noch einmal trockenzufallen – also bei Ebbe auf einer Sandbank festzuliegen und das Wattenmeer zu Fuß erkunden zu können. Skipper Koen wollte diesen Wunsch der Crew nach Möglichkeit erfüllen.
Durch den Abschlussdeich
Nach dem Auslaufen aus Stavoren nahm die Iselmar Kurs auf den Abschlussdeich. Vor der Schleuse wartete bereits eine stattliche Reihe hochwertiger Segel- und Motoryachten. Dennoch konnte die Iselmar ohne längere Wartezeit direkt in die Schleusenkammer einfahren. Gemeinsam mit den Yachten passierte sie die Stevinsluizen bei Den Oever und verließ das IJsselmeer in Richtung Wattenmeer. Dabei führte der Weg unter der Autobahn A7 hindurch, die auf dem Abschlussdeich beide Seiten der Niederlande miteinander verbindet.
Hinter dem Deich änderte sich die Landschaft schlagartig. Das weite Wattenmeer öffnete sich vor der Besatzung. Wegen der zahlreichen Sandbänke musste mehrfach gekreuzt werden, um sicher auf Kurs zu bleiben.
Plötzlich ein lauter Knall
Mitten auf dem Wattenmeer wurde die Fahrt jedoch jäh unterbrochen. Ein lauter Knall ließ aufhorchen. Der Kasten der Segelkurbel hatte sich auf einer Seite aus seiner Verankerung gelöst. Ursache waren durchgerostete Schweißnähte, die die Konstruktion mit dem Deck verbanden. Skipper Koen reagierte sofort, ließ alle Segel bergen und nahm den Druck von der beschädigten Anlage. Sicherheit ging vor.
Da eine Reparatur auf See nicht möglich war, setzte die Iselmar ihre Fahrt früher als geplant unter Motor fort. Das Tagesziel blieb dennoch unverändert: eine geeignete Sandbank, auf der das Schiff bei Ebbe trockenfallen konnte. Die Reparatur sollte am nächsten Tag auf Terschelling mit dem Schweißgerät an Bord erfolgen.
Zu Fuß durchs Wattenmeer
Am späten Nachmittag setzte die Iselmar schließlich sanft auf einer Sandbank auf. Noch während draußen das Wasser langsam sank, versammelte sich die Besatzung unter Deck zum Abendessen. Die Kochgruppe eröffnete das Menü mit knusprigen Knoblauch-Schiffchen, begleitet von aromatischem Ratatouille-Gemüse und einem Klecks Crème fraîche. Es folgte ein herzhafter Wikinger-Topf aus Orzo, Erbsen, Möhren und Frikadellen. Den süßen Abschluss bildete ein cremiges Dessert, inspiriert vom beliebten Spaghetti-Eis, das Sommererinnerungen weckte.
Als die letzten Teller abgeräumt waren, hatte sich das Wasser bereits weit zurückgezogen. So konnten die ersten Teilnehmer über die Leiter direkt ins nur noch knöcheltiefe Wasser steigen.
Allerdings stellte sich die Sandbank an der Liegestelle der Iselmar als Muschelbank heraus. Dadurch lag der Bug etwas erhöht, was Skipper Koen mit kritischem Blick beobachtete. Die Stelle war möglicherweise doch nicht ganz ideal gewählt.
Für die Besatzung überwogen jedoch die Vorteile. Zwischen den Muscheln huschten kleine Krebse hindurch, überall zeugten Spuren im Schlick von der vielfältigen Tierwelt des Wattenmeers und es gab an jeder Ecke Neues zu entdecken.
Sonnenuntergang
Mit sinkendem Wasserstand zog es schließlich fast die gesamte Besatzung hinaus auf das freiliegende Watt. Rund anderthalb Stunden blieb Zeit, die einzigartige Landschaft zu erkunden, bevor die Flut langsam zurückkehrte. Gegen 21 Uhr versammelten sich alle wieder an Bord, machten Erinnerungsfotos und genossen den Sonnenuntergang über dem Wattenmeer.
Kurz nach Mitternacht hatte sich die Iselmar wieder freigeschwommen. Skipper Koen steuerte die nächste Fahrrinne an und ließ dort den Anker fallen. Für die Besatzung endete der Tag wenig später in den Kojen, während das Schiff sanft auf den Wellen schaukelte und viele mit dem leisen Plätschern des Wassers einschliefen.
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