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Tag 5:
Von Terschelling nach Harlingen

 

Eine kurze, aber windreiche Etappe führte die Iselmar von Terschelling nach Harlingen. Kräftiger Nordwind, ein Wiedersehen mit einem langjährigen Wegbegleiter des Segeltörns und ein stimmungsvoller Bordgottesdienst machten diesen Tag zu einem besonderen Erlebnis.

Nach einem entspannten Frühstück ließ sich die Besatzung am Mittwochmorgen bewusst etwas mehr Zeit. Die Strecke von Terschelling nach Harlingen ist vergleichsweise kurz und bei kräftigem Nordwind gut zu bewältigen. So wurden erst gegen Mittag die Leinen gelöst und Kurs auf das Wattenmeer genommen.

Eingespielte Mannschaft

Mit beeindruckender Routine wurden die Segel gesetzt. Kaum hatte Matrosin Sarah die ersten Anweisungen gegeben, waren die meisten Handgriffe bereits erledigt. Nach einigen Tagen an Bord wusste inzwischen fast jeder, wo er gebraucht wurde. Selten verlief ein Segelmanöver so reibungslos – ein sichtbares Zeichen dafür, wie schnell aus einer Gruppe junger Menschen eine eingespielte Mannschaft geworden war.

Der frische Nordwind verlangte dennoch volle Aufmerksamkeit. Groß- und Focksegel wurden gerefft und Skipper Koen ordnete für alle an Deck das Tragen von Rettungswesten an. Zwischen Terschelling und der Nachbarinsel Vlieland treffen die Wellen der Nordsee auf das Wattenmeer und sorgen bei entsprechendem Wind häufig für unruhige Bedingungen.

Als die Iselmar die Engstelle etwa eine halbe Stunde später passierte, schaukelte das Schiff zwar deutlich, blieb aber jederzeit gut beherrschbar. Nach mehreren Halsen erreichte die Crew rund drei Stunden später den Hafen von Harlingen.

Wiedersehen mit einem alten Bekannten

Bereits bei der Einfahrt wartete eine besondere Überraschung. Hoch oben im Turm des Hafenmeisters wartete Ex-Skipper Floris auf die Iselmar. Viele kannten ihn noch von früheren NAK-Segeltörns, die er über viele Jahre – zunächst auf der Frans Horjus, später auch auf der Iselmar – begleitet hatte. Ab 2017 übernahm er dann als Kapitän ein Hotelschiff. Nun ist er Hafenmeister in Harlingen.

Floris sorgte dafür, dass die Iselmar einen ruhigen Liegeplatz im windgeschützten Binnenhafen erhielt. Schon während der Einfahrt durch die Brücken winkten sich Besatzung und ehemaliger Skipper herzlich zu – ein Wiedersehen, über das sich viele sichtbar freuten.

Am Abend verwöhnte die Kochgruppe die Besatzung mit einem abwechslungsreichen Drei-Gänge-Menü. Den Auftakt machte ein feines Zucchini-Carpaccio mit frischer Zitronen-Vinaigrette, cremiger Burrata und knusprigem Brot. Es folgte eine aromatische Gnocchi-Gemüsepfanne, bevor ein fruchtiges Erdbeer-Tiramisu den süßen Schlusspunkt setzte.

Gott schenkt Kraft für den Weg

Gut gestärkt versammelte sich die Besatzung anschließend unter Deck zu einem Wortgottesdienst. Gestaltet wurde er von den sechs an Bord anwesenden Diakoninnen und Diakonen. Die Leitung übernahm Diakon Frank, weitere Predigtbeiträge kamen von Diakonin Lucy, Diakonin Annika und Diakon Marcel. Musikalisch wurde der Gottesdienst durch gemeinsamen Gesang, einen kleinen Chor und Klavierbegleitung gestaltet.

Im Mittelpunkt stand das Bibelwort aus 1. Könige 19,7: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ Anhand der Geschichte des Propheten Elia machten die Predigenden deutlich, dass Gott Schwierigkeiten nicht einfach verschwinden lässt, sondern Kraft schenkt, den nächsten Schritt zu gehen.

Diesen Gedanken griff Diakon Frank mit Bildern aus dem Segelalltag auf. Gegenwind lasse sich nicht verändern – wohl aber der eigene Kurs. Das Ziel bleibt dabei dasselbe. Ebenso schenkt Gott auch im Glauben die Kraft, den eigenen Weg trotz mancher Herausforderungen weiterzugehen.

Wie Gott den Glauben stärkt, wurde im Gottesdienst ebenfalls greifbar. Dies geschieht nicht nur durch sein Wort, sondern auch durch die Gemeinschaft mit anderen Menschen. Gerade an Bord erleben die Jugendlichen Tag für Tag, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein. Mal hilft jemand ganz praktisch beim Segelsetzen oder Abwasch, mal genügt es, einem anderen zuzuhören oder gemeinsam einen Moment der Stille auszuhalten. So wird erfahrbar, dass niemand seinen Weg allein gehen muss und Gott oft durch die Menschen wirkt, die er uns an die Seite stellt.

Ein weiteres Bild knüpfte an das Trockenfallen auf der Sandbank am Vortag an. Stundenlang lag die Iselmar regungslos im Watt. Erst mit der zurückkehrenden Flut konnte die Reise fortgesetzt werden.

Manches brauche Zeit, so die Botschaft des Gottesdienstes. Gott eröffne neue Wege oft erst dann, wenn er den Menschen zuvor gestärkt habe – so wie der Engel den Propheten Elia zunächst mit Brot und Wasser versorgte.

Ein gemütlicher Abend

Nach dem Gottesdienst kam Ex-Skipper Floris noch an Bord. In entspannter Atmosphäre wurden Erinnerungen an frühere Segeltörns ausgetauscht und erzählt, was sich in den vergangenen Jahren verändert hatte. Bei guten Gesprächen, kühlen Getränken und der besonderen Stimmung im ruhigen Binnenhafen von Harlingen ließ die Besatzung den Tag gemütlich ausklingen.

23. Juli 2026

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